Karl Kling wird 100
Karl Kling
* 16. September 1910 in Gießen; † 18. März 2003
Karl Kling wäre am 16. September 2010, 100 Jahre alt geworden. Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Rennfahrer. Er galt Zeit seines Lebens als „Gentleman-Driver“ der mit Ruhe, Sachkennntnis und einer großen Portion fahrerischen Talents, seinem Rennwagen erstaunliche Leistungen abringen konnte.
Seine großen Erfolge feierte er gemeinsam mit seinem angestammten Beifahrer Hans Klenk, dem ehemaligen Jagdflieger, der über sehr ähnliche Eigenschaften verfügte.
1936 kam Kling zum Mercedes-Team und obwohl er gute Rundenzeiten bei Probefahrten erreichte, musste er in der Herstellungsabteilung arbeiten. Rennleiter Alfred Neubauer favorisierte Rudolf Caracciola, Manfred von Brauchitsch und Hermann Lang.
Nach 1945 startete er für BMW und Veritas bei Rennen in Deutschland, da die Deutschen 1945 bis 1949 von der Teilnahme an internationalen Rennen ausgeschlossen waren. Kling wurde mit Veritas 1948 und 1949 Deutscher Sportwagenmeister in der Klasse der 2-Liter-Sportwagen, der damals größten Sportwagen-Klasse.
1951 kehrte er zurück zum Mercedes-Sportwagenteam und konnte 1952 den Sieg bei der Carrera Panamericana quer durch Mexiko nach einer 19 Stunden dauernden Fahrt erzielen. Er war auch hier im neuen Mercedes 300 SL mit seinem vertrauten Beifahrer Hans Klenk angetreten. Etliche Reifenplatzer und der Frontaleinschlag eins kleinen Geiers konnten die beiden nicht aufhalten. Karl Kling war zu diesem Zeitpunkt schon über 40 Jahre alt. Im gleichen Jahr konnten Kling und Klenk auf Mercedes 300 SL noch den zweiten Platz bei der berühmten Mille Miglia in Italien einfahren.

Karl Kling und Hans Klenk vor dem legendären Mercedes 300 SL
Er wurde als erster Automobilrennfahrer zum deutschen Sportler des Jahres 1952 gewählt. 1953 musste er nach einem Trainingsunfall pausieren.
In der Formel-1-Saison 1954 war Kling Teil des neu gegründeten Mercedes-Formel-1-Teams, konnte sich jedoch gegen seinen Teamkollegen Juan Manuel Fangio nicht durchsetzen. Er erreichte einen zweiten Platz beim GP von Frankreich in Reims. In der Saison 1955 dominierten Fangio und Stirling Moss. Beim Vierfacherfolg der Silberpfeile beim Großen Preis von Großbritannien stand er als Dritter ein zweites Mal auf dem Podest.
Ende 1955 zog sich Mercedes aus der Formel 1 zurück. Rennleiter Alfred Neubauer ging in den Ruhestand und Kling wurde sein Nachfolger. Unter ihm als Rennleiter gewann Mercedes zu Beginn der 1960er-Jahre eine Reihe internationaler Rallyes wie Monte Carlo 1960, Akropolis 1960, Seen 1961, Sofia-Lüttich-Sofia 1962 und 1963, Großer Straßenpreis von Argentinien 1961 bis 1964. Sein Team stellte den Rallye-Europameister 1960 Walter Schock und 1962 Eugen Böhringer zu einer Zeit, als es noch keine Rallye-Weltmeisterschaft gab.

Karl Kling und der Mercedes 300 SL von 1954
Kling selbst bestritt noch kleinere Rennen, seine letzten beiden Siege waren 1959 Marathon-Rallye Mediterranee – Le Cap und 1961 die Rallye Algier-Zentralafrika-Algier.
1968 ging Kling in den Ruhestand und lebte in seinem Haus im Gaienhofener Ortsteil Hemmenhofen am Bodensee, wo er im März 2003 starb.