Motorsporterfolge

… Mercedes-Benz 300 SL

Der Mythos des Mercedes-Benz 300 SL ist eng verknüpft mit seinen großen Erfolgen im Motorsport. Mercedes-Benz war schon in den Jahrzehnten zuvor im Motorsport sehr erfolgreich aktiv. Die ersten Siege, die Entwicklung der legendären Silberpfeile, die Duelle mit Auto Union sind dabei nur einige Eckpfeiler einer erfolgreichen Motorsportvergangenheit in den ersten Jahrzehnten des 20ten Jahrhunderts.

Die Erfolgsgeschichte des Mercedes-Benz 300 SL wäre ohne Alfred Neubauer und Rudolf Uhlenhaut undenkbar gewesen. Alfred Neubauer war von 1926 bis 1955 Rennleiter des Mercedes-Benz Teams und galt als unkonventionell und äußerst zielstrebig.

Rudolph Uhlenhaut

Rudolph Uhlenhaut im W196 Coupé 300 SLR

Rudolf Uhlenhaut war seit 1931 als Ingenieur für Mercedes-Benz tätig und übernahm 1936 die Leitung der Rennwagenabteilung. Charakteristisch für Uhlenhaut ist sein Streben nach Perfektion, gepaart mit einem besonderen Talent als Rennfahrer.

1955 behauptet der Formel 1 Weltmeister Juan Manuel Fangio gegenüber Uhlenhaut, dass sein Rennwagen nicht optimal vorbereitet sei. Uhlenhaut setzt sich daraufhin höchstselbst in das beanstandete Fahrzeug. In seiner ersten Runde auf dem Nürburgring ist Uhlenhaut auf Anhieb drei Sekunden schneller als der spätere fünfmalige Weltmeister Fangio. Dem Wagen entstiegen, fordert er ihn kurzerhand auf, noch ein wenig zu üben.

Es überrascht daher nicht, dass sowohl Neubauer als auch Uhlenhaut in die Entscheidung der Daimler-Benz AG vom 15. Juni 1951, ab dem kommenden Jahr erstmals nach dem zweiten Krieg wieder an Rennen teilzunehmen, einbezogen wurden.

Hierfür muss ein vollständig neuer Sportwagen gebaut werden. Dieser Wagen soll – seinem Anforderungsprofil nach – den Namen „300 Sport Leicht“ tragen und sollte unter der Typbezeichnung W194 in die (Motorsport-)Geschichte eingehen.

300 SL

Carrera Panamericana 1. Service nach dem Geier-Unfall

Nach unzähligen Tests unter der Leitung von Rudolf Uhlenhaut und Alfred Neubauer wird das Fahrzeug 1952 in den wichtigen Rennen des Jahres, zum Teil gegen deutlich stärker motorisierte Gegner, eingesetzt.

Erstmals betrat der Mercedes-Benz 300 SL (W194) bei den legendären 1.000 Meilen durch Italien, der Mille Miglia, am 04.Mai 1952 die internationale Bühne des Rennsports. Dort beeindruckte er mit seiner Zuverlässigkeit und hoher Geschwindigkeit. Am Ende belegte in diesem harten Langstreckenrennen Karl Kling den 2. und Rudolf Caracciola den 4. Platz.

Bereits zwei Wochen später kann beim Großen Preis der Schweiz in Bern der erste Erfolg verbucht werden. Von vier gestarteten Fahrzeugen erreichen drei das Ziel, wobei Mercedes-Benz die Plätze auf dem Podest unter sich ausmachte (1. Kling, 2. Lang, 3. Fritz Rieß). Der ebenfalls an den Start gegangene Caracciola muss nach einem schweren Unfall seine erfolgreiche Rennfahrerkarriere beenden.

Die Fahrzeuge starten, abgesehen von Rieß‘ Fahrzeug, ausnahmsweise nicht in der üblichen silbergrauen Lackierung. Dafür weist dieses Fahrzeug aber bereits die größeren Türen auf, die beim nächsten Rennen in Le Mans zum Einsatz kommen sollen. Die anderen Fahrzeuge sind passend zu den Polstern der Innenausstattung eigens für das Rennen umlackiert worden. So startete Caracciola (Startnummer 16) in einem dunkelroten, Kling (18) in einem dunkelgrünen und Lang (20) in einem hellblauen Mercedes-Benz 300 SL.

Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans beschließt der Rennsportwagen unerwartet mit einem triumphalen Doppelsieg am 14. Juni 1952. Mercedes-Benz meldet für dieses spezielle Rennen drei Fahrzeuge an.

W194 Carrera

C.P.: alle Mercedes 300 SL samt dem offenen Wagen von John Fitch

Nach Ansicht von Neubauer könnte es mit den Flügeltüren bezüglich der Abnahme der Wagen Probleme geben. Mercedes-Benz erklärt deshalb frühzeitig in einem Schreiben an Monsieur Acat, dem Vorsitzenden der Sportkommission, dass die Karosserie des neuen Mercedes-Benz 300 SL aufgrund der niedrig gehaltenen Höhe nur diese Form der Türöffnung von oben zulässt. Auf Empfehlung von Monsieur Acat wird, obwohl die Türen bereits dem Reglement entsprechen, der Türausschnitt vergrößert. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass durch den größeren Einstiegsbereich ein schneller Einstieg möglich wird. Dieser ist gerade beim Rennen von LeMans von Vorteil, da die Fahrer zunächst über die Fahrbahn laufen, einsteigen und dann erst die Wagen starten dürfen. Auch bei der Farbgebung, alle Fahrzeuge sollten ursprünglich in dem für deutsche Rennwagen typischen Weiß starten, setzte sich das Team durch und die Fahrzeuge durften im gewohnten Silber an den Start gehen.

Das Fahrerduo Lang/Rieß gewinnt mit einem Gesamtdurchschnitt von 155,575 km/h – damals ein neuer Rekord in der Rennhistorie Le Mans – vor dem zweiten Mercedes-Benz mit den Fahrern Theo Helfrich und Helmut Niedermayr. Ein Lichtmaschinendefekt am Fahrzeug von Karl Kling und Hans Klenk verhindert einen möglichen dreifachen Triumph.

Beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring am 3. August werden die ersten 4 Plätze belegt. Das Treppchen besteigen Lang vor Kling und Rieß. Vierter wird Helfrich. Die Wagen fahren bei diesem Rennen ohne Dachaufbau. Diese Modifikation ist durch den hohen und steifen Rahmen ohne Weiteres möglich und soll den Fahrern das Umrunden der Nordschleife mit ihren unübersichtlichen Kurven erleichtern.

300 SL Panamericana

C.P.: vergitterte Scheiben am Auto von Kling und Klenk

Der letzte Erfolg des Mercedes-Benz 300 SL (W194) ist der Doppelsieg bei der Carrera Panamericana vom 19. bis 23. November. Daimler-Benz nimmt unter großem Aufwand offiziell mit vier Rennwagen des W194 ( zwei davon als Coupé und zwei Roadster) an dem Rennen in Mexiko teil. Die Strecke ist äußerst anspruchsvoll. Die insgesamt über 3.300 Kilometer lange Strecke mit ihren unübersichtlichen Kurven und Höhendifferenzen stellt sowohl an die Piloten als auch an die Mechaniker hohe Anforderungen. Die Wagen laufen überaus zuverlässig und die Fahrer tun das Ihrige und so siegt Karl Kling mit seinem Beifahrer Hans Klenk vor Hermann Lang und Erwin Grupp. Einen möglichen vierten Platz verlieren John Fitch und Eugen Geiger wegen eines angeblichen geringfügigen Regelverstoßes beim Start zur vorletzten Etappe. Das dramatischste Ereignis des Rennens widerfährt Hans Klenk, als ein Vogel (Es handelte sich vermutlich um einen lokal stark verbreiteten Truthahngeier, der in Form und Grösse dem oft kolportierten Bussard nahe kommt. Engl. Geier = Buzzard lt. Günther Molter) bei über 200 km/h die Windschutzscheibe durchschlägt und ihn am Kopf schwer verletzt. Zur Sicherheit der beiden Piloten werden daraufhin Gitterstäbe vor die Scheibe montiert. Heute ist das Fahrzeug im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart zu bewundern.

Mercedes-Benz knüpfte in dieser Saison an die großen Erfolge im Rennsport vor dem Zweiten Weltkrieg an.

Fortgesetzt wird der Mythos durch unzählige Siege des privat eingesetzten Serienwagens Mercedes-Benz 300 SL (W198) bei Starts auf internationalen Rennstrecken und bei Rallyes. Weswegen an dieser Stelle nur auf einige Erfolge eingegangen werden kann. Eine tabellarische Übersicht über die wichtigsten Erfolge befinden sich im Buch „Mercedes-Benz 300 SL – Vom Rennsport zur Legende“ von Günter Engelen und Mike Riedner.

Sieg MilleMiglia

Neubauer in Feierlaune mit Jenkinson u. Moss nach der MM

Den ersten großen Erfolg verzeichnet der Mercedes-Benz 300 SL (W198) mit einem hervorragenden fünften Platz im Gesamtklassement und dem Klassensieg durch das Fahrergespann John Fitch (USA) und Kurt Gessel (D) bei der Mille Miglia im Jahr 1955, die vom Doppelsieg des Mercedes-Benz 300 SLR mit den Fahrern Stirling Moss mit Beifahrer Denis Jenkinson und Juan Manuel Fangio geprägt wird. In den Top Ten der Gesamtwertung befinden sich ebenfalls mit einem W198 das belgische Fahrerduo Olivier Gendebien und Jacques Washer als siebte und der Italiener Salvatore Casella als zehnter.

Im darauf folgenden Jahr kommt es beinahe zu einer Wiederholung des Ergebnisses. Nachdem sich Mercedes-Benz zum Ende der Saison 1955 offiziell als Werksteam – auch wegen des tragischen Unfalls des Franzosen Pierre Levegh bei den 24 Stunden von Le Mans – zurückgezogen hatte, belegen drei Mercedes-Benz 300 SL in der Gesamtwertung die Plätze 6. (Paul Metternich / Wittigo Einsiedel), 7. (Wolfgang Seidel mit seinem Beifahrer Helmut Glöckler) und 8. (Jacques Pollet / Paul Flandrak). Die Top Ten beschließen Fritz Rieß mit dem Mercedes-Benz Monteur Hermann Eger.

Gina

Sophia Loren besaß selbst einen Mercedes 300 SL

Im Jahr 1958 belegen Guido Cestelli und Guiseppe Musso mit ihrem Mercedes-Benz 300 SL den 5. Platz im Gesamtklassement.

Den Sieg in der europäischen Tourenwagen Meisterschaft sichert sich 1955 Werner Engel mit seinem Mercedes-Benz 300 SL.

1956 verzeichnet der Mercedes-Benz 300 SL mit den Fahrern Walter Schock und Rudolf Moll große Erfolge im Rallyesport. Das Duo gewinnt mit dem W198 bei der Rallye Sestrieri in Italien, der Rallye Akropolis und der Rallye Wiesbaden und wird am Ende der Saison Rallye Europameister.

1955 bis 1957 gewinnt Paul O´Shea mit seinem Mercedes-Benz 300 SL seine Klasse in der amerikanischen Sportwagenmeisterschaft SCCA (Sports Car Club of America).

Der Mercedes-Benz 300 SL ist auch heute noch auf vielen (Renn-) Veranstaltungen ein wettbewerbsfähiger Teilnehmer. Die Erfolgsgeschichte wird somit fortgeschrieben.